DevOps Automation15. November 2025Comquent Academy

Jenkins vs. GitLab CI: Wann lohnt sich der Umstieg?

Jenkins oder GitLab CI? Die Antwort hängt weniger vom Tool ab als von der Situation des Teams. Ein ehrlicher Vergleich mit konkreten Entscheidungskriterien.

Jenkins vs. GitLab CI: Wann lohnt sich der Umstieg?
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Die falsche Frage

„Ist Jenkins oder GitLab CI besser?" ist die falsche Frage. Beide Tools sind ausgereift, weit verbreitet und in der Lage, praktisch jede CI/CD-Anforderung abzudecken. Die richtige Frage lautet: „Was passt besser zu unserer Situation?" Und die Antwort hängt von Faktoren ab, die nichts mit der Feature-Liste der Werkzeuge zu tun haben.

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Jenkins: Das Schweizer Taschenmesser

Jenkins existiert seit 2011 (als Fork von Hudson sogar länger) und ist nach wie vor das am weitesten verbreitete CI/CD-Tool weltweit. Die Gründe dafür sind real:

  • Flexibilität: Mit über 1.800 Plugins lässt sich Jenkins an nahezu jede Anforderung anpassen. Ob Legacy-Systeme, exotische Build-Tools oder spezielle Deployment-Targets — es gibt fast immer ein Plugin dafür.
  • Pipeline as Code: Jenkinsfiles bieten eine mächtige DSL auf Basis von Groovy. Shared Libraries ermöglichen die Wiederverwendung über Projekte hinweg.
  • Self-Hosted: Volle Kontrolle über Infrastruktur und Daten. Für Unternehmen mit strengen Compliance-Anforderungen oft ein Muss.
  • Ökosystem: Riesige Community, umfangreiche Dokumentation, jahrzehntelange Erfahrung in der Branche.

Die Kehrseite: Jenkins erfordert Pflege. Updates, Plugin-Kompatibilität, Skalierung, Sicherheit — das alles muss jemand managen. Und die Lernkurve ist steil: Eine gut strukturierte Shared Library zu schreiben erfordert fundiertes Groovy- und Jenkins-Wissen.

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GitLab CI: Alles unter einem Dach

GitLab CI ist Teil der GitLab-Plattform und damit kein reines CI/CD-Tool, sondern ein integrierter Bestandteil einer vollständigen DevOps-Plattform. Das hat Konsequenzen:

  • Einfacher Einstieg: Eine .gitlab-ci.yml im Repository, und die Pipeline läuft. Kein separater Server, keine Plugin-Installation.
  • Integration: Code-Repository, CI/CD, Container-Registry, Issue-Tracking, Security-Scanning — alles in einer Oberfläche. Die Feedback-Schleife ist kurz.
  • YAML-Konfiguration: Leicht lesbar, gut dokumentiert, versioniert im Repository. Includes und Templates ermöglichen Wiederverwendung.
  • Auto DevOps: Automatische Erkennung und Konfiguration von Build, Test und Deployment für Standardprojekte. Nicht immer perfekt, aber ein guter Startpunkt.

Die Kehrseite: GitLab CI ist weniger flexibel als Jenkins. Für spezielle Anforderungen — etwa die Integration proprietärer Build-Tools — kann die YAML-Konfiguration an Grenzen stossen. Und die Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter ist ein Punkt, den manche Unternehmen kritisch sehen.

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Wann ein Umstieg sinnvoll ist

Ein Umstieg von Jenkins auf GitLab CI lohnt sich, wenn:

  • Ihr bereits GitLab für Code und Issues nutzt: Die Integration ist der grösste Vorteil. Wenn Git-Repository und CI/CD auf derselben Plattform liegen, reduziert das Komplexität und Reibung.
  • Der Jenkins-Admin das Unternehmen verlässt: Klingt dramatisch, ist aber ein reales Szenario. Wenn nur eine Person die Jenkins-Infrastruktur beherrscht, ist das ein Risiko. GitLab CI ist einfacher zu warten.
  • Eure Pipelines standardisiert sind: Wenn die meisten Projekte ähnliche Build-Test-Deploy-Abläufe haben, bietet GitLab CI mit Templates und Includes eine saubere Lösung.
  • Ihr den Verwaltungsaufwand reduzieren wollt: Kein Plugin-Management, keine separaten Server, automatische Updates (bei GitLab.com) — das spart Betriebsaufwand.
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Wann Jenkins die bessere Wahl bleibt

Jenkins bleibt sinnvoll, wenn:

  • Ihr komplexe, heterogene Build-Umgebungen habt: Embedded-Systeme, Mainframe-Builds, Legacy-Toolchains — Jenkins' Plugin-Ökosystem deckt Nischen ab, die GitLab CI nicht erreicht.
  • Ihr massive Parallelisierung braucht: Jenkins' verteiltes Build-System mit dynamischen Agents ist extrem leistungsfähig und flexibel konfigurierbar.
  • Ihr Shared Libraries produktiv nutzt: Eine gut gepflegte Shared Library, die über Dutzende Projekte hinweg genutzt wird, ist ein Wert, den man nicht leichtfertig aufgibt.
  • Ihr in einem regulierten Umfeld arbeitet: Volle Kontrolle über die Infrastruktur, Air-Gapped-Installationen, auditierbare Konfiguration — Jenkins bietet hier maximale Flexibilität.
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Die Migration: Kein Big Bang

Wenn die Entscheidung für einen Umstieg fällt, dann bitte nicht als Big-Bang-Migration. Ein bewährter Ansatz:

  1. Neues Projekt als Pilot: Das nächste neue Projekt startet auf GitLab CI. Das Team sammelt Erfahrung ohne Migrationsdruck.
  2. Templates aufbauen: Aus den Erfahrungen des Pilotprojekts entstehen wiederverwendbare CI/CD-Templates.
  3. Schrittweise Migration: Projekt für Projekt, beginnend mit den einfachsten. Komplexe Projekte mit speziellen Anforderungen kommen zuletzt.
  4. Parallelbetrieb: Jenkins und GitLab CI laufen eine Zeit lang parallel. Das gibt Sicherheit und ermöglicht Vergleiche.
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Was oft vergessen wird

Unabhängig vom Tool: Das grösste Problem bei CI/CD ist selten das Werkzeug. Es sind die Praktiken. Eine schlecht strukturierte Pipeline bleibt schlecht, ob in Jenkins oder GitLab CI. Fehlende Tests werden nicht durch einen Toolwechsel kompensiert. Und mangelndes Wissen im Team löst sich nicht durch Migration.

Bevor Sie über einen Wechsel nachdenken, lohnt sich die Frage: Nutzen wir unser aktuelles Tool gut? Haben wir saubere Pipeline-Strukturen, ausreichende Tests, gute Dokumentation? Wenn nicht, ist der erste Schritt nicht ein neues Tool, sondern die Verbesserung der bestehenden Praktiken.

Die Comquent Academy bietet sowohl Jenkins-Trainings als auch GitLab CI-Trainings an — unabhängig davon, für welches Tool Sie sich entscheiden.

Fazit

Jenkins und GitLab CI sind beide exzellente Werkzeuge. Die Entscheidung sollte auf Basis der konkreten Teamssituation fallen, nicht auf Basis von Feature-Vergleichen oder Trendartikeln. Und wer umsteigt, sollte es schrittweise tun — mit einem klaren Plan und realistischen Erwartungen.

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