Basics & Concepts10. August 2025Comquent Academy

Industrial DevOps: Der Leitfaden für OT

Wie sich DevOps-Prinzipien auf die Operational Technology übertragen lassen und warum klassische Ansätze in der Automatisierungstechnik an ihre Grenzen stossen.

Industrial DevOps: Der Leitfaden für OT
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Warum die OT-Welt nicht mehr ohne DevOps auskommt

Wer heute eine SPS programmiert, arbeitet oft noch so wie vor zehn Jahren: manuelles Deployment, fehlende Versionierung, keine automatisierten Tests. In der IT-Welt undenkbar — in der Operational Technology (OT) Alltag. Dabei steigt der Druck auf Maschinenbauer und Anlagenbetreiber massiv. Kürzere Produktzyklen, mehr Varianten, höhere Anforderungen an die Cybersecurity. Industrial DevOps ist der Ansatz, diese Lücke zu schließen.

Der Begriff beschreibt die konsequente Übertragung von DevOps-Prinzipien — Automatisierung, Zusammenarbeit, kontinuierliche Verbesserung — auf die Welt der Steuerungstechnik und Embedded-Systeme. Das klingt erst einmal abstrakt, hat aber ganz konkrete Auswirkungen auf den Arbeitsalltag von SPS-Entwicklern und Automatisierungsingenieuren.

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Was Industrial DevOps von klassischem DevOps unterscheidet

Die Werkzeuge sind andere. Statt Jenkins und Docker geht es um TIA Portal, CODESYS oder Beckhoff TwinCAT. Statt Microservices um Funktionsbausteine und Sicherheitssteuerungen. Und statt Cloud-Deployment um den Download auf reale Hardware, die im Zweifelsfall Menschen verletzen kann.

Drei wesentliche Unterschiede prägen den Ansatz:

  • Determinismus vor Geschwindigkeit: In der OT muss jeder Zustand reproduzierbar sein. Continuous Delivery heißt hier nicht „mehrmals am Tag deployen", sondern „jederzeit einen definierten, getesteten Stand ausliefern können".
  • Hardware-Abhängigkeit: Testen auf realer Hardware ist teuer und langsam. Simulationsumgebungen und Hardware-in-the-Loop-Setups sind der Schlüssel, aber sie müssen aufgebaut und gepflegt werden.
  • Regulatorische Anforderungen: Maschinensicherheit, der Cyber Resilience Act und branchenspezifische Normen setzen enge Grenzen. Jede Änderung muss nachvollziehbar und auditierbar sein.
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Die ersten Schritte: Versionierung und Zusammenarbeit

Der wichtigste erste Schritt ist simpel, aber wirkungsvoll: Quellcode gehört in ein Versionskontrollsystem. Git hat sich auch in der OT-Welt als Standard durchgesetzt, allerdings bringen die binären Projektformate vieler Steuerungssysteme Herausforderungen mit sich. TIA Portal beispielsweise unterstützt mittlerweile ein offenes Exportformat, das sich deutlich besser versionieren lässt als die proprietären Projektdateien.

Sobald der Code versioniert ist, können Teams parallel arbeiten, Änderungen nachvollziehen und im Fehlerfall gezielt zurückrollen. Das allein reduziert das Projektrisiko erheblich.

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CI/CD in der Automatisierungstechnik

Der nächste logische Schritt ist die Einführung einer CI/CD-Pipeline. In der Praxis sieht das so aus: Bei jedem Commit wird der SPS-Code automatisch kompiliert, statisch analysiert und — wenn möglich — gegen Simulationsmodelle getestet. Das erfordert Investitionen in die Toolchain, zahlt sich aber schnell aus.

Typische Pipeline-Stufen für Industrial DevOps:

  1. Build: Automatische Kompilierung des SPS-Projekts
  2. Statische Analyse: Prüfung auf Coding-Standards und potenzielle Fehler
  3. Simulation: Funktionstest gegen virtuelle Anlagenmodelle
  4. Integration: Test im Zusammenspiel mit anderen Steuerungskomponenten
  5. Release: Bereitstellung eines geprüften, versionierten Release-Artefakts
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Kulturwandel ist der schwierigste Teil

Technik lässt sich einführen. Werkzeuge kann man kaufen. Der eigentliche Engpass ist die Veränderung in den Köpfen. SPS-Programmierer, die seit zwanzig Jahren erfolgreich ohne Versionskontrolle arbeiten, sehen nicht automatisch den Mehrwert. Und Führungskräfte, die an Wasserfall-Projektpläne gewöhnt sind, tun sich schwer mit iterativen Ansätzen.

Hier hilft nur eines: Vorleben und kleine Erfolge sichtbar machen. Ein Team, das seinen ersten automatisierten Test aufsetzt und damit einen Fehler findet, der sonst erst bei der Inbetriebnahme aufgefallen wäre — das überzeugt mehr als jede Präsentation.

Fazit

Industrial DevOps ist kein Hype, sondern eine notwendige Weiterentwicklung. Die Konvergenz von IT und OT ist in vollem Gange, und Unternehmen, die jetzt die Grundlagen legen — Versionierung, Automatisierung, teamübergreifende Zusammenarbeit — werden in drei bis fünf Jahren deutlich besser aufgestellt sein als die, die abwarten.

Wer tiefer einsteigen möchte, findet bei der Comquent Academy spezialisierte Trainings für Industrial DevOps, die genau diese Brücke zwischen IT und OT schlagen.

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